UNIVIE Teaching Award 2017 - die PreisträgerInnen

Die festliche Preisverleihung des UNIVIE Teaching Award fand am 7. Juni 2017 im Kleinen Festsaal der Universität Wien unter Mitwirkung von Rektor Heinz Engl und Vizerektorin Christa Schnabl statt.

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PreisträgerInnen im Überblick

Aus den Einreichungen zum diesjährigen UNIVIE Teaching Award gingen in einem mehrstufigen Verfahren unter Mitwirkung der Studierenden folgende PreisträgerInnen hervor:

Kategorie „(Peer-)Feedback geben und nehmen“

Dr.in Donata Romizi (Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft; Institut für Philosophie) Lehrveranstaltung: „Rhetorik und Argumentationstheorie für das Lehramt“

Donata Romizi (Quelle: Universität Wien)

Donata Romizi hat in ihrer Lehre im Bereich Philosophie Lehramt ihren Zugang zu Feedback in den vergangenen Jahren bedeutend weiterentwickelt. In ihrer Übung „Rhetorik und Argumentationstheorie“ wendet sie individuelles Feedback an. Dieses induktive Vorgehen ist ihrer Erfahrung nach im Erlernen von philosophischer Argumentationsfähigkeit sehr bedeutsam.
Ihr wöchentliches schriftliches Feedback auf Hausübungen erlaubt einen intensiven Übungsbetrieb – trotz der vielen TeilnehmerInnen. Es verwundert nicht, dass sich die Studierenden begeistert von diesem Engagement ihrer Lehrenden zeigen.
Auch Peer-Feedback wird auf vielfältige Weise eingesetzt und mit der Leistungsbeurteilung verknüpft. In der Abschluss- prüfung erhalten alle Studierenden einen anonymisierten Text eines/einer KollegIn und sind gefordert, eine Rückmeldung darauf zu verfassen. Im Anschluss erhält jede Person Feedback durch die Lehrperson, das anonymisierte Peer-Feedback sowie das Lehrenden-Feedback auf diese studentischen Rückmeldungen.


Univ.-Prof.in MMag.a Dr.in Michaela Windischgrätz (Rechtswissenschaftliche Fakultät; Institut für Arbeits- und Sozialrecht) Lehrveranstaltung: „Socratics“/DoktorandInnenseminar und DiplomandInnenseminar „Schreibwerkstatt“

Michaela Windischgrätz (Quelle: Universität Wien)

Die Preisträgerin erhält den UNIVIE Teaching Award für das Format „Socratics“, das sie im Rahmen der Vienna Doctoral Academy „Communicating the Law“ konzipiert hat. Im Fokus steht angeleitetes Peer-Feedback auf einen etwa 25-seitigen Text (Ausschnitt aus der Dissertation, wissenschaftlicher Artikel). In jeder Lehrveranstaltungs-Einheit werden 5-6 Texte behandelt, dabei wird jeder Text von 3 Studierenden gefeedbackt: Der/die erste ReferentIn gibt neben einer kritischen Reflexion einen kurzen Überblick, die beiden KoreferentInnen setzen sich kritisch-konstruktiv mit den Stärken und Schwächen auseinander und zwar sowohl in inhaltlicher als auch sprachlich-formaler Hinsicht. Die Lehrveranstaltungs-Leiterin übernimmt die Rolle der Moderatorin und gibt den Studierenden im Vorfeld detaillierte Anweisungen zu den Kriterien und Rahmenbedingungen für ihr kollegiales Feedback.
Dieses einfache und zugleich wirksame Modell für konstruktives Peer-Feedback ist an der Fakultät, aber auch darüber hinaus beispielgebend. Studierende üben, Ideen und Meinungen strukturiert und konzise unter Vorgabe fixer Zeitlimits zu präsentieren und ihre Einschätzungen zu den fremden Texten respektvoll und wertschätzend an die AutorInnen zu kommunizieren. Die AutorInnen können durch das erhaltene Feedback die Verständlichkeit und Wirkung ihres eigenen Textes besser einschätzen.
Die kriterienbasierte Auseinandersetzung mit fremden Texten führt die TeilnehmerInnen der „Socratics“ an eine differenzierte Betrachtung der eigenen Texte heran und befähigt sie, die Stärken und Schwächen der eigenen Arbeiten rascher und sicherer zu erkennen.


Mag. Dr. Armin Berger, MA und Mag.a Dr.in Helen Heaney, BA (Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät; Institut für Anglistik und Amerikanistik) Lehrveranstaltung: „EFL Testing and Assessment (FK)“

Armin Berger und Helen Heaney (Quelle: Universität Wien)

Feedback ist ein zentrales Anliegen der prämierten Lehrveranstaltung. Das Feedback-Konzept der Lehrenden weist einen hohen Grad an Begründung des eigenen Vorgehens aus und umfasst eine Vielzahl an Formen. Auch auf eine bestimmte Leistung erhalten Studierende teilweise mehrere Arten von Rückmeldungen. Diese Multiperspektivität erhöht die Validität des Feedbacks. Den PreisträgerInnen gelingt es so auch, dem dialogischen Charakter von Feedback in besonderer Weise Rechnung zu tragen. Feedback ist keine „Einwegskommunikation“, sondern wird selbst Gegenstand von Diskussion.
Als Lehrveranstaltung für Lehramtsstudierende ist Feedback nicht nur Methode, sondern auch Inhalt. Es ist den Preisträger- Innen ein Anliegen, durch ihr Vorgehen angehenden Lehrenden zu vermitteln, wie sie Feedback in ihrem künftigen Unterricht selbst einsetzen können, um Lernen anzuregen.
Das theoretisch fundierte Feedback-Konzept der Lehr- veranstaltung geht von folgenden Prinzipien aus: Qualitätssicherung durch Multiperspektivität (mehrere Feedback-Quellen auf eine Leistung), Bidirektionalität des Feedbacks (Feedback als Dialog), Handlungsorientierung durch zukunftsgerichtete Ideen und Hinweise („feed-forward“), aktive Einbindung von informellem und formativem Feedback, Eigenverantwortung und Selbststeuerung der Studierenden (Selbstevaluation fließt in Gesamtnote ein).

Kategorie „Selbststudium anleiten und unterstützen“:

Mag. Patrick Markey und Mag. Jürgen Goller (Fakultät für Psychologie; Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden) Lehrveranstaltung: „Proseminar zu kognitiven Grundlagen des Erlebens und Verhaltens“

Patrick Markey (Quelle: Universität Wien)

Jürgen Goller (Quelle: Universität Wien)

Ziel der prämierten Lehrveranstaltung ist, durch eine große thematische Breite Interesse an kognitiver Psychologie zu wecken. Themen wie Gesichtsattraktivität, Filmpsychologie oder optische Täuschungen vermitteln die Vielfalt und Lebendigkeit des Forschungsbereichs. Auch in der Lehrgestaltung sorgen die Lehrenden durch Methoden- variation für Abwechslung im Semesterverlauf. Den Preis- trägern gelingt es, durch ein überzeugendes Auftreten als Team ihre Studierenden für ihr Fach zu begeistern.
Klare Aufgabenstellungen sind Voraussetzung, damit Online-Aufgaben und Präsenzphasen gelungen zusammenspielen. Diese Verzahnung des Selbststudiums und der Präsenz- einheiten sehen die Studierenden vor allem in einer gesteigerten Diskussionsbereitschaft, weil sie bereits inhaltlich vorbereitet erscheinen. Im Online-Diskussionsforum werden in einer Lehrveranstaltungs-Einheit begonnene Auseinandersetzungen weitergeführt.
Diese große Akzeptanz unter den Studierenden ist wohl ohne eine wertschätzende, angstfreie Arbeitsatmosphäre in der Lehrveranstaltung nicht möglich. Die Lehrenden nutzen bereits die erste Einheit, um aktiv auf ein vertrauensvolles Diskussionsklima einzuwirken. Die Eigenverantwortung und Motivation der Studierenden ist sehr hoch, wenn sie einzelne Lehrveranstaltungs-Einheiten selbst gestalten und dabei – dem Vorbild der Lehrenden folgend – möglichst interaktiv vorgehen und Frontalvorträge („Referate“) so kurz als möglich halten.


Jana Herwig, M.A. (Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät; Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft) Lehrveranstaltung: „Proseminar Medientheorie“

Jana Herwig (Quelle: Universität Wien)

Jana Herwig hat das Konzept des „Diskussionspanels als prüfungsimmanentes Leistungsformat“ für Proseminare und Übungen des BA Theater-, Film- und Medienwissenschaft entwickelt. Das Format orientiert sich am Expertenpanel wissenschaftlicher Konferenzen. Dabei übernehmen 2-4 Studierende pro Einheit die Rolle von PanelteilnehmerInnen und bearbeiten in der Vorbereitungsphase 2-3 wissenschaftliche Texte. Die Lehrveranstaltungs-Leiterin gibt genaue Anweisungen, wie die Texte zu analysieren sind, weiters stellt die Lehrveranstaltungs-Leiterin Leitfragen für die Zuhörenden und zur Strukturierung der Diskussion bereit.
Mit diesem Konzept des Diskussionspanels werden – statt einer möglichst flächendeckenden Inhaltsbehandlung von Medientheorie – im Sinn der Kompetenzorientierung ausgewählte Theorien verfolgt, die auf zeitgenössische Phänomene anwendbar sind. Dabei werden Studierende der verschiedenen Arten von Wissen, wie verfestigtem und beweglichem Wissen, gewahr. Im Fokus der interaktiven Diskussionspanels steht die lebendige Auseinandersetzung mit Theorien und Medien sowie der Aneignungsprozess von Wissen und analytischen Fähigkeiten. Statt der klassischen Ergebnispräsentation in Form von Referaten werden Studierende ermutigt, das Verstehen und Anwenden von Konzepten sowie deren Widersprüchlichkeiten zu problematisieren.


Mag. Dr. Andreas Baierl und Mag. Daniel Obszelka (Fakultät für Wirtschaftswissenschaften; Institut für Statistik und Operations Research) Lehrveranstaltung: „Statistisches Programmieren“

Andreas Baierl (Quelle: Universität Wien)

Daniel Obszelka (Quelle: Universität Wien)

Die beiden Lehrenden erhalten den Lehrpreis für ihre Lehrveranstaltung „Statistisches Programmieren“, in der sie die Programmiersprache R an Studierende der Statistik vermitteln. Sie haben dafür ein durchdachtes Lehrkonzept entwickelt, in der Aufgaben im Selbststudium und Präsenztermine systematisch verzahnt sind. In einem Zweiwochenrad wechseln sich Quiz- und Hausübungs-Wochen ab. Gegen Weihnachten enden die Input-Phasen, was einen intensiven Übungsbetrieb erlaubt.
Eine Herausforderung ihrer Lehrveranstaltung sind die unterschiedlichen Einstiegskompetenzen und Lern- geschwindigkeiten der Studierenden. Den Preisträgern gelingt es, mit ihrer interaktiven Lehrgestaltung, alle Studierenden zu aktivieren. Geeignete Materialien wie ein Skriptum und Selbsttestaufgaben erlauben es den Teilnehmenden, in ihrem eigenen Lerntempo voranzukommen und sich selbst besser einzuschätzen. Die Begeisterung der Studierenden bezeugt dabei den Erfolg des Lehrkonzepts.
Um kritisches Denken in der Statistik zu fördern, verwickeln die Lehrenden im Anschluss an Hausübungen Studierende oft in ein Gespräch. Sie fragen beispielsweise nach, warum eine spezifische grafische Darstellungsweise der Ergebnisse gewählt wurde und was für alternative Varianten spräche.

Inhaltlicher Fokus

Kategorie „(Peer-)Feedback geben und nehmen“: Ausgezeichnet werden Lehrveranstaltungen, die konstruktives (Peer-)Feedback in unterschiedlichen Lehrkontexten und Disziplinen (modellhaft) umsetzen.

Kategorie „Selbststudium anleiten und unterstützen“: Ausgezeichnet werden Lehrveranstaltungen, die Studierende insbesondere in der Vor- und Nachbereitung der Lehrveranstaltungseinheiten unterstützen und somit kontinuierliche und vertiefte Lernprozesse fördern.

 

Prozess

Prämiert werden Einreichungen zu bereits umgesetzten Lehrveranstaltungen und Konzepte, die die Kriterien in besonderem Maß erfüllen. Das Preisgeld von € 2.000 wird für die Umsetzung eines Lehrprojekts im Studienjahr 2017/18 vergeben, pro Kategorie werden 3 Preise vergeben.

Timeline

 

laufend

Studierende und KollegInnen sowie Studienprogrammleitungen und (Vize-)DekanInnen (für Lehre) motivieren herausragende Lehrende zur Einreichung.

Bis 01.03.2017

 

Lehrende reichen ihre Unterlagen ein (an ctl.lehrpreis@univie.ac.at); die Einreichungen enthalten auch Stellungnahmen von (aktuellen oder ehemaligen) Studierenden. Für die Einreichungen stellt das Center for Teaching and Learning (CTL) ein Formular für die jeweilige Kategorie bereit. Dieses finden Sie rechts unter Downloads.

Bis 17.03.2017

Auswahl 1. Stufe: Fakultätscluster*
Unter Vorsitz der jeweiligen ClustersprecherIn und unter Einbeziehung der Studienvertretungen werden innerhalb der 6 Fakultätscluster jeweils die besten Einreichungen ausgewählt (nach Möglichkeit zu jeder Kategorie mindestens zwei Einreichungen)

Bis 04.04.2017

Auswahl 2. Stufe: Universitäre Jury
Mitglieder der Jury: Vizerektorin für Studium und Lehre, Vorsitzender Curricularkommission, Studienpräses, ClustersprecherInnen, zwei PreisträgerInnen 2016, ÖH Vorsitzteam

11.04.2017

Beschluss im Rektorat

Ab 19.04.2017

Vorbereitung der Preisverleihung mit PreisträgerInnen und ihren Studierenden

07.06.2017

Feierliche Preisverleihung ab 18:00 (Kleiner Festsaal, Hauptgebäude) mit Rektor Heinz Engl und Vizerektorin Christa Schnabl

*Fakultätscluster (fett gedruckte Fakultäten: (Vize-)DekanInnen übernehmen 2017 die Funktion der ClustersprecherInnen):

(1) Hist.-Kult., Philosophie u. Bildungswissenschaft, Theologien, Z. f. LehrerInnenbildung (Allgemeine Bildungswissenschaftliche Grundlagen und Querschnittsaufgaben/ABG)
(2) Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaften (exkl. Institut f. Statistik)
(3) Sozialwissenschaften, Psychologie

(4) Phil.-Kult., Z. f. Translationswissenschaft
(5) MINT: Chemie, Geowissenschaften, Geographie u. Astronomie, Informatik, Mathematik, Physik, Institut f. Statistik
(6) Lebenswissenschaften, Z. f. Molekulare Biologie, Z. f. Sportwissenschaft