Modell "Lektürekurs"

Beschreibung

Dieses Modell ist ein Beispiel für Lehre im Blended-Learning-Format. Die Studierenden werden in zwei Gruppen geteilt, sodass die Lehrveranstaltungseinheiten vor Ort alternierend stattfinden können: in der einen Woche für Gruppe A, in der anderen Woche für Gruppe B. Die Lehrinhalte für Gruppe A und B sind dieselben. 

In den Wochen, in denen z.B. Gruppe A keine Einheit vor Ort hat, bereiten die Studierenden in Kleingruppen die Einheiten anhand von Lektüreaufträgen vor. Weil sowohl Gruppe A als auch Gruppe B nur einmal alle zwei Wochen eine Vor-Ort-Einheit besuchen, können sie mehr Theorie und Hintergrundwissen im Selbst- und Peer-Lernen erarbeiten. Umso wichtiger ist es unter diesen Bedingungen, die Vor-Ort-Einheiten für Fragen der Studierenden und Diskussion zu reservieren.

Ablauf einer Einheit

  • Vor der Einheit: Studierende erhalten Lektüretexte, eine konkrete Aufgabenstellung sowie eine Einführung in die Lektüretexte, z.B. Informationen über den*die Autorin, eine historische oder theoretische Einordnung oder Definitionen zentraler Begriffe. Diese einführenden Unterlagen können andere Texte, Videos, Audios, Glossare etc. sein. Studierende bearbeiten die Aufgabenstellungen in Kleingruppen (z.B. in „Räumen“ des Videokonferenztools), um sie in der Vor-Ort-Lehre vorstellen zu können.
  • Beginn: Die Lehrperson führt in den Text ein und stellt die Zielsetzung der LV-Einheit vor.
  • Interaktion: Eine oder mehrere Kleingruppen präsentieren ihre Arbeitsergebnisse im Plenum. Die Ergebnisse werden diskutiert und Studierende erhalten Feedback durch die Lehrperson und andere Studierende.
  • Abschluss: Die Arbeitsergebnisse werden durch die Lehrperson zusammengefasst. Er*sie gibt einen Ausblick auf die nächste Vor-Ort-Einheit und den damit verbundenen Lektüreauftrag.

Studierenden-Aktivierung

  • Z.B. Stimmungsbild einholen: Wie wurde der Text empfunden? Wo gab es Herausforderungen? Was ist leicht gefallen? Welche Information hat überrascht? So kann die LV an die Bedürfnisse der Studierenden angepasst werden. Um in der Vor-Ort-Einheit Zeit zu sparen, kann dies auch durch eine Umfrage, einen Test oder eine andere Classroom Assessment Technique in Moodle vor der Einheit abgefragt werden.
  • Studierende, die gerade nicht präsentieren, können Kolleg*innen zu spezifischen Aspekten des Vortrags Feedback geben, bereiten Fragen oder ein Gegenstatement vor.
  • Reflexion am Ende der Einheit: Was sind die zentralen Argumente und Begriffe/ Konzepte? Warum ist dieser Text für das Fach wichtig? In welchem Verhältnis steht er zu anderen Texten der LV? Welche Lesestrategien haben funktioniert? Welche wollen Studierende beim nächsten Mal ausprobieren?
  • Nach der Einheit Ergebnisse in Moodle dokumentieren, z.B. in einem Wiki oder Glossaren für Begriffe.

Zu beachten

  • In diesem Modell arbeiten Studierende viel asynchron (zeitversetzt). Dabei helfen präzise Aufgabenstellungen, inkl. Angabe des Zeitaufwands und eine klare, die Studierenden leitende Struktur in Moodle (z.B. durch schrittweise Freischaltung von Inhalten). Da Studierende nur alle zwei Wochen vor Ort Kontakt mit der Lehrperson haben, empfehlen wir, ein Forum in Moodle einzurichten.
  • Dieses Modell setzt zudem stark auf das Peer-Learning in Kleingruppen. Damit die Kleingruppen gut arbeitsfähig sind, wird es gerade zu Beginn des Semesters notwendig sein, den Gruppenbildungsprozess zu unterstützen.
  • Zur Einbindung von Studierenden, die nur via Videokonferenztool an der LV teilnehmen, informiert unser Artikel über das Modell „Vorlesung mit Videokonferenztool“.
  • Für digitale Treffen der Kleingruppen (bis 12 Personen) kann das Jitsi der Universität Wien (jm01.univie.ac.at) genutzt werden. Die*Der Initiator*in benötigt einen u:account. Die übrigen Teilnehmer*innen gelangen über einen Einladungslink in den virtuellen Besprechungsraum. Studierende sollten einen möglichst einzigartigen Session-Namen verwenden (nur Buchstaben und Zahlen, keine Leer- und Sonderzeichen) und den Raum durch ein Passwort schützen.

Erforderliche technische Ausstattung

  • Moodlekurs
  • Falls Studierende nicht vor Ort teilnehmen können (Ausnahmeregelungen wie Risikogruppe, internat. Studierende): PC im LV-Raum mit Webcam und Mikrophon

Aufteilung der Studierenden

zwei alternierende Studierendengruppen

Mögliche Art der Leistungsüberprüfung

  • Formatives Assessment durch regelmäßige Tests
  • Summativ: Benotung von Abschlussarbeit, Aufsatz, Wiki-Artikel oder Prüfung

Weitere Ressourcen

Infopool besser lehren (Artikel): Aufgabenstellungen

Infopool besser lehren (Video) Aufzeichnung Online-Vortrag: „Wie organisiere ich digitale Arbeitsaufträge bei asynchroner und synchroner Lehre?“ (Link folgt)

Detailierte Anleitung Jitsi

Handouts zur Einbindung von Studierenden für Moderation und Dokumentation in LVs

Webinar-Aufzeichnung (SE-Basismodell)

Moodle-Template SE-Basismodell (Basis für weitere Anpassungen)

Umstieg von hybrider zu digitaler Lehre