FAQ für Studienprogrammleiter/innen

Allgemeines

Welchen Zweck hat ein Aufnahmeverfahren, wenn es nicht selektiv ist? (Sprich, wenn weniger BewerberInnen zum Test kommen als Studienplätze zur Verfügung stehen)

  • Einheitlichere Wissensbasis: Die Studierenden erhalten durch den Lernstoff einen Überblick über die Themenbereiche und Anforderungen des Studiums. Dadurch wird das Erlangen einer einheitlicheren Wissensbasis für den Studienbeginn unterstützt (vgl. Brückenkurse).
  • Selbstselektion: Die Beschäftigung mit dem Lernstoff trägt in nicht unerheblichen Ausmaß zur Selbstselektion bei. Studieninteressierte erkennen frühzeitig, dass das Studium bzw. die Studieninhalte nicht ihren Erwartungen entsprechen, und treten deshalb gar nicht erst zum Aufnahmetest an. In der Vergangenheit wurden an der Universität Wien Selbstselektionsquoten von 50% und mehr beobachtet (Verhältnis von registrierten zu beim Aufnahmetest anwesenden Personen). (Quelle: CTL, Interne Evaluation der Aufnahmeverfahren, 2016)
  • Erhöhtes Commitment: Die Aufnahme- und Eignungsverfahren haben einen Einfluss auf das Commitment und die Studienmotivation. Die Quote an prüfungsaktiven Studierenden ist seit Einführung der Aufnahmeverfahren in den zugangsgeregelten Fächern um 11% auf 55% angestiegen. (Quelle: CTL, Interne Evaluation der Aufnahmeverfahren, 2016)
  • Bessere Planbarkeit: Auch wenn das Verfahren nicht selektiv ist, bietet es den Vorteil, dass frühzeitig die Anzahl der Studienbeginner/innen bekannt ist, was die Semesterplanung erleichtern kann.

Warum reicht die Matura nicht als Beleg für die „Studierfähigkeit“ und wieso reichen nicht, wie in Deutschland, die Schulnoten als Aufnahmekriterium?

Eine Reihung der Personen nach Schulabschlussnoten ist prinzipiell möglich (und gilt in der Forschung auch als valides Kriterium), würde aufgrund unterschiedlicher Schultypen im In- und Ausland aber nur auf bedingt vergleichbaren Werten beruhen. Erfahrungswerte aus anderen Hochschulen haben gezeigt, dass die faire Gewichtung ausländischer Bildungsabschlüsse aus aller Welt einen enormen administrativen Aufwand mit sich bringt, der bestenfalls zentral (hochschulübergreifend) zu bewältigen wäre.
Die stark vom familiären Bildungshintergrund beeinflussten Schulnoten können zudem sozial selektiv wirken, ohne dass die Hochschule hier noch moderierend eingreifen kann.
Bei einem selbstentwickelten Aufnahmetest hat die Hochschule hingegen mehr Spielraum und kann insbesondere jene studienrelevanten Fähigkeiten testen, die vom jeweiligen Bildungshintergrund weitgehend unabhängig sind.

Sagt ein bestandener Test tatsächlich etwas über den Studienerfolg, Studieneignung und Motivation aus? Gibt es schon Erfahrungsberichte oder Statistiken aus den Vorjahren?

Ja, das Bestehen eines Aufnahmeverfahrens an der Uni Wien sagt etwas über die Erfolgswahrscheinlickeit im Studium aus und es gibt bereits erste positive Befunde zur Wirksamkeit (am Beispiel der ehem. § 14h-Fächer):

  • Anstieg an prüfungsaktiven Studierenden um 11%
  • Rückgang der Studienabbrüche um 6%
  • Ein Zusammenhang zwischen Testergebnis und LV-Noten bzw. absolvierten ECTS und STEOP-Noten konnte bestätigt werden.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Zugangsbeschränkungen die gewünschte Wirkung haben, da sich alle untersuchten Indikatoren nach Einführung der Zugangsregeln in den zugangsgeregelten Fächern deutlich verbessert haben. In den nicht zugangsgeregelten Fächern konnte im gleichen Zeitraum keine bzw. nur eine sehr geringe Verbesserung festgestellt werden.

Was sagen die StudienbewerberInnen zu den Aufnahmeverfahren?

Die Akzeptanz des gesamten Aufnahmeprozesses unter den StudienbewerberInnen ist sehr hoch:

  • 70% beurteilen den Aufnahmeprozess mit „Gut“ oder „Sehr Gut“.
  • 91% haben den Aufnahmeprozess als (eher) fair empfunden.
  • 90% haben die Organisation des Aufnahmeprozesses als (eher) gut erlebt.

(Quelle: CTL, Interne Evaluation der Aufnahmeverfahren, 2016)

Schreckt das Verfahren nicht potentiell geeignete Studienbewerber/innen ab?

Nicht mehr und nicht weniger als viele Prüfungen vorher und nachher in der Bildungsbiografie der Studierenden.

Kann oder soll der Test die STEOP ersetzen?

Nein, denn die STEOP als einjährige Arbeitsprobe ist natürlich valider als jede punktuelle Testung. Sie ist allerdings auch wesentlich aufwändiger bzw. kostenintensiver - sowohl aus institutioneller als auch aus individueller Sicht, da die Abbrecher/innen ein ganzes Ausbildungsjahr verlieren können.

Testaufbau und -inhalt

Wie ist ein Aufnahmetest aufgebaut?

Der Test wird aus verschiedenen Modulen zusammengestellt, die unterschiedlich gewichtet sein können:

Modul 1: Fachfragen

Im Sinne einer Arbeitsprobe kann durch das Abfragen fachrelevanten Wissens auf Basis eines vorgegebenen Lernstoffs auf künftiges Verhalten geschlossen werden. Neben der direkten Abfrage von Wissen werden dadurch indirekt folgende Parameter erfasst:

  • Leistungsmotivation
  • Bereitschaft, sich selbstständig mit Studieninhalten zu befassen
  • Übereinstimmung von Interesse(n) (durch Selbstselektion jener Personen, die anhand des Lernstoffes erkennen, dass das gewählte Studium doch nicht ihren Interessen entspricht)

Modul 2: Textverständnis

Durch die Vorgabe von deutsch- und/oder englischsprachigen Texten werden das Verständnis komplexer Texte und das Schlussfolgern daraus gemessen.

Modul 3: Kognitive Fähigkeiten

Durch Vorgabe unterschiedlicher Anforderungen werden ausgewählte Indikatoren der Intelligenz, wie z.B. logisch-schlussfolgerndes Denken erfasst, da es einen Teil der allgemeinen Studierfähigkeit erklärt:

  • Matrizen: induktive und deduktive Denkprozesse
  • Zahlenfolgen: rechnerische Fähigkeiten und schlussfolgerndes Denken
  • Analogien, Syllogismen: verbale Fähigkeiten und schlussfolgerndes Denken
  • Aufgaben zum räumlichen Vorstellen
  • Logikaufgaben

Wer bestimmt den Inhalt des Tests?

Die Fakultät/das Institut bestimmt den Inhalt sowie die Gewichtung der ausgewählten Module. Die Festlegung erfolgt im Rahmen einer Anforderungsanalyse.

Wieso werden im Test keine Persönlichkeitseigenschaften bzw. soft skills abgefragt?

Da die Antworten auf Selbstauskünften der Bewerber/innen basieren, muss mit einer Tendenz zu sozial erwünschten (also vorteilhaften) Antworten gerechnet werden, was zu einer Verzerrung des Messergebnisses führt. Außerdem wären jene Personen benachteiligt, die ehrlich antworten. Persönlichkeitsmerkmale sind nicht objektiv vergleichbar, daher sollten Persönlichkeitsfragebögen nur in beratenden Situationen (wie bspw. bei den Online-Self-Assessments) und nicht in Auswahlsituationen eingesetzt werden.

Wird das Verfahren auch auf Englisch angeboten?

Nein. Deutsch ist die Unterrichtssprache für alle Bachelorstudien der Universität Wien, auch wenn einzelne Lehrveranstaltungen teilweise oder ganz in anderen Sprachen abgehalten werden. Aus diesem Grund ist die Vorlage eines Nachweises von Deutschkenntnissen auf C1 Niveau auch während des allgemeinen Zulassungsverfahrens erforderlich. Deswegen wird das Aufnahmeverfahren auch nur in deutscher Sprache angeboten.

Testkonstruktion und Testauswertung

Wer erstellt den Test?

Die Erstellung der Lernmaterialien sowie der fachspezifischen MC-Fragen obliegen dem Fach selbst. Das CTL unterstützt dabei die Konstruktion fairer und rechtssicherer MC-Fragen sowie die Erstellung des Lernmaterials.

Alle anderen Aufgaben (Entwicklung der Aufgaben zum Textverständnis, Ausarbeitung der Testunterlagen etc.) werden vom CTL übernommen. Die Erstellung von Aufgaben zu kognitiven Fähigkeiten erfolgt in Kooperation mit unserem externen Partner Coping. Die Fakultät/ das Institut muss keine kognitiven Testaufgaben entwickeln.

Muss die Fakultät Personal für das Aufnahmeverfahren zur Verfügung stellen?

Organisation und Durchführung der Aufnahmeverfahren werden von der DLE Studienservice und Lehrwesen übernommen. Aufwand entsteht für die Fakultät/das Institut allerdings im Vorfeld der Tests bei der Entwicklung der fachbezogenen Fragen für den Test sowie ggf. bei der Erstellung des Lernmaterials

Muss die Fakultät Lernmaterial zur Verfügung stellen?

Ja, für das Modul Fachfragen müssen rechtzeitig und kostenlos Unterlagen zur Verfügung gestellt werden.
Die Entwicklung und Bereitstellung von offenen Bildungsressourcen, sogenannten Open Educational Resources (OER), bietet für Lehrende die Möglichkeit, selbst erstellte Materialien als OER mit entsprechender Lizenzierung zur Nachnutzung frei zur Verfügung zu stellen. Das CTL kann Ihnen bei der Entwicklung sowie bei den urheberrechtlichen Herausforderungen zur Seite stehen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Wie viel Aufwand bedeutet die Testentwicklung für die Fakultät/das Institut?

Für die Erstellung der Lernunterlage sollte ausreichend Zeit eingeplant werden (Vorlaufzeit: 1 Jahr – Abstimmung der Inhalte, Erstellung der Unterlage, Layout etc.). Der zeitliche Aufwand für die Erstellung der MC-Fragen ist mit dem für eine größere Prüfung vergleichbar.

Wie werden die Daten ausgewertet?

Auswertung und Kontrolle der Ergebnisse werden vom CTL organisiert, der Versand der Ergebnisse wird von Studienservice und Lehrwesen abgewickelt. Die Auswertung der Tests erfolgt in Kooperation mit unserem externen Partner Coping.

Organisatorisches und Durchführung

Wer darf antreten?

Die Voraussetzungen für den Antritt unterscheiden sich nicht von den allgemeinen Voraussetzungen, die für eine Studienzulassung an der Universität Wien notwendig sind.

Wie oft darf man antreten?

Der Aufnahmetest findet 1x jährlich (für Sommer- und Wintersemester) statt. KandidatInnen, die nicht aufgenommen werden, können den Test beliebig oft wiederholen.

Wer bestimmt die Anzahl der aufgenommenen StudienbewerberInnen?

Die Anzahl der Studienplätze für StudienbeginnerInnen wird in der Leistungsvereinbarung zwischen der Universität Wien und dem Bund festgelegt.

Ist eine Geschlechterquote in den Aufnahmeregelungen festgehalten?

Nein

Ist eine Quotenregelung für Bewerber/innen aus anderen Mitgliedsstaaten festgelegt?

Nein

Wie und wo wird der Test durchgeführt?

Die Tests werden aufgrund der hohen Teilnehmer/innenzahlen im „Papier-und-Bleistift-Verfahren“ in den Räumlichkeiten der Messe Wien durchgeführt. Eine digitale Vorgabe des Tests ist nicht möglich. Die Tests werden aus Gründen der Testökonomie im Multiple-Choice-Format vorgegeben und maschinell ausgewertet. Ein offenes Antwortformat (Essay schreiben etc.) ist dadurch nicht möglich.

MitarbeiterInnen des CTL stehen bei den Prüfungen vor Ort als Ansprechpartner/in für Studienbewerber/innen und SPL zur Verfügung

Sind die Tests barrierefrei?

Das CTL arbeitet eng mit dem Team Barrierefrei der Universität Wien zusammen, um Prüfungsformate anbieten zu können, die auf die besonderen Bedürfnisse einzelner Testteilnehmer/innen zugeschnitten sind. Häufig in Anspruch genommene Maßnahmen betreffen beispielsweise Ausdrucke in Übergröße oder digitale Darbietung bei Seheinschränkungen, getrennte Testräumlichkeiten und verlängerte Bearbeitungszeiten.

Kann der Studienbewerber/die Studienbewerberin im Nachhinein Einsicht in die Ergebnisse erhalten?

Ja, der/die Studienbewerber/in hat im Nachhinein die Möglichkeit, Einsicht in die Ergebnisse zu erhalten. Die Prüfungseinsicht wird von Studienservice und Lehrwesen koordiniert.

Wer übernimmt die Kosten für das Verfahren?

Die Ausgaben werden von der DLE Studienservice und Lehrwesen getragen, wobei ein Teil der Kosten über die Beiträge der StudienbewerberInnen abgedeckt ist.

Qualitätssicherung und Fairness

Wie wird die Qualität des Verfahrens sichergestellt?

Die Tests werden mit nachvollziehbaren und facheinschlägigen Methoden und angelehnt an die Anforderungen der berufsbezogenen Eignungsdiagnostik (DIN 33430) erstellt. Weitere Infos finden Sie hier.

Durch regelmäßige Evaluationen wird die bestmögliche Einhaltung der psychologischen Testgütekriterien sichergestellt:

  • Objektivität (Ergebnisse sind unabhängig vom Untersucher, von der Situation und interpretationseindeutig)
  • Reliabilität (Zuverlässigkeit der Ergebnisse, formale Exaktheit der Merkmalserfassung)
  • Validität (inhaltliche Gültigkeit, der Test misst das, was er messen soll)
  • Fairness (keine systematische Diskriminierung bestimmter Personen aufgrund ihrer ethnischen, soziokulturellen oder geschlechtsspezifischen Zugehörigkeit)
  • Testökonomie (Verhältnis zwischen ökonomischem Nutzen und Aufwand des Tests)
  • Zumutbarkeit (bzgl. Belastung der Testpersonen)
  • Vergleichbarkeit (Verschiedene Testformen bzw. Parallelversionen sind untereinander vergleichbar)
  • Unverfälschbarkeit (der Test kann nicht oder nur unwesentlich durch die Testperson beeinflusst werden)

Wie zuverlässig ist das Verfahren?

Durch Sicherstellung der Qualität der Tests (s.o.) ist die Wahrscheinlichkeit der Zulassung von BewerberInnen die das Erfolgskriterium erfüllen, also eines richtig-positiven Ergebnisses, sehr hoch. Sofern ein Test die vorgegebenen Gütekriterien erfüllt, besteht also nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit für ein falsch-positives Ergebnis, also die Zulassung von Studierenden, die das Erfolgskriterium nicht erfüllen. Die Zuordnung kann jedoch nie perfekt sein – immer wieder werden einige potentiell Geeignete abgewiesen (falsch-negatives Ergebnis) bzw. eigentlich Ungeeignete zugelassen (falsch-positives Ergebnis). 

Darstellung von falsch-negativem und falsch-positivem Ergebnis.

(Spiel, C., Litzenberger, M. & Haiden, D. (2007). Bildungswissenschaftliche und psychologische Aspekte von Auswahlverfahren. In C. Badelt, W. Wegscheider & H. Wulz (Hrsg.), Hochschulzugang in Österreich (S. 253-327). Graz: Grazer Universitätsverlag)

Ist das Verfahren fair gegenüber unterschiedlichen Geschlechtern?

Frauen erzielen tendenziell bessere Ergebnisse in lernabhängigen Testteilen, Männer bessere Ergebnisse in den (lernunabhängigen) kognitiven Testteilen, wobei sich hier von Studium zu Studium unterschiedliche Effekte beobachten lassen. Detaillierte Analysen zum Zusammenhang zwischen Studienerfolg und Aufnahmeverfahren werden laufend durchgeführt, aussagekräftige Ergebnisse dazu sind aber erst nach mehreren Jahren möglich.

Zu beachten ist, dass sich noch immer auffällige Unterschiede in der Schulwahl von Burschen und Mädchen zeigen (Burschen sind etwa bei HTL überrepräsentiert, Mädchen bei AHS) und dass generell mehr Mädchen eines Jahrgangs die Matura absolvieren als Burschen. Diese Phänomene müssen bei der Interpretation der Ergebnisse jedenfalls mitberücksichtigt werden. 

Wie sieht es generell mit Gerechtigkeit aus? (Stichwort „soziale Selektion“)

Bisherige externe Evaluierungen der österreichischen Aufnahmeverfahren (vgl. Unger/IHS) finden kaum Belege für eine unerwünschte soziale Selektion. Eine etwaige soziale Selektion findet meist bereits vor den Tests statt (im Schulsystem), nicht mehr durch den Test selbst.
Weiterführende Infos:

Weitere Informationen

Wo gibt es aktuelle Informationen zu den Aufnahmeverfahren?

Auf den Seiten des Studienservice und Lehrwesen.

An wen kann ich mich bei Fragen wenden?

Ihre AnsprechpartnerInnen im CTL:

Gisela Kriegler-Kastelic

Reinhard Schott

Robin Gleeson

Isabelle Krol

Sabine Patzl